Der Klick stirbt – die Nennung entscheidet
Sobald Google eine KI-Antwort (AI Overview) einblendet, verliert die Nummer 1 im organischen Ranking im Schnitt 34,5 % ihrer Klicks. Der klassische Weg – oben ranken, Klick abholen, Kunde gewinnen – bröckelt. Was jetzt zählt, ist eine andere Frage: Wirst du in der KI-Antwort selbst genannt? Eine eigene Erhebung unter zehn deutschen Wanderreise-Veranstaltern zeigt, wie unbequem die Antwort ausfällt – sechs von zehn kommen praktisch nicht vor.
Stand: August 2026 – auf Basis aktueller Ahrefs-Daten und einer eigenen Erhebung.
Was ist gerade passiert?
Ahrefs hat 300.000 Keywords ausgewertet – 150.000 mit AI Overview, 150.000 vergleichbare informationale Suchanfragen ohne. Das Ergebnis: Ist eine KI-Antwort im Spiel, sinkt die Click-Through-Rate für die Position 1 um rund 34,5 % gegenüber vergleichbaren Suchen ohne KI-Kasten. Konkret fiel die CTR für Platz 1 bei AI-Overview-Keywords von 0,073 (März 2024, vor dem US-Rollout) auf 0,026 (März 2025).
Anders gesagt: Du kannst weiter fleißig auf Platz 1 optimieren – und trotzdem ein Drittel deiner Klicks an einen grauen KI-Kasten verlieren, der die Antwort schon oben auf der Seite liefert. Der Nutzer liest, nickt, sucht nicht weiter. Das ist keine Prognose mehr, das ist gemessene Gegenwart.
Und der Trend beschleunigt sich: Google rollt gerade die sogenannte Generative UI von der AI-Mode-Ansicht in die normalen AI Overviews aus – die KI baut dann eigene interaktive Elemente direkt in die Antwort. Die Suchergebnisseite wird zunehmend zum Endpunkt, nicht zur Durchgangsstation.
Warum trifft das gerade Reise- und Outdoormarken so hart?
Weil Reiseentscheidungen mit genau den Fragen beginnen, die KI-Antworten am liebsten übernehmen: „Welcher Veranstalter für Wanderreisen in den Dolomiten?", „Wer bietet geführte Trekkingtouren für Einsteiger?", „Nachhaltige Aktivreisen – welche Anbieter?" Das sind informationale, vergleichende Fragen – das Heimspiel der AI Overviews.
Wer diese Reise-Recherche früher über einen guten Blogartikel und Platz 1 abgeholt hat, konkurriert heute mit einer KI, die drei Anbieter nennt und den Rest weglässt. Stehst du in diesen drei Namen, gewinnst du. Stehst du nicht drin, existierst du für den Suchenden schlicht nicht – egal, wie gut deine Seite rankt.
Die neue Regel: Nicht das Ranking zählt, sondern die Nennung
Hier liegt der eigentliche Paradigmenwechsel. Zwei Jahrzehnte lang war die Leitfrage der Sichtbarkeit: Auf welcher Position stehe ich? In der Welt der generativen Suche lautet sie: Werde ich in der Antwort genannt – und mit welcher Quelle?
Das ist der Kern von Generative Engine Optimization (GEO): die gezielte Arbeit daran, dass Systeme wie ChatGPT, Google (AI Overviews / AI Mode) und Perplexity deine Marke als Antwort ausspielen. GEO ersetzt SEO dabei nicht – auch Google betont, dass die Vorbereitung auf generative Suche Teil solider SEO-Grundlagen bleibt. Aber GEO verschiebt das Ziel: weg vom Kampf um den blauen Link, hin zur Frage, ob du überhaupt Teil der Antwort bist.
Der Beleg aus der Praxis: der Tourism AI Index
Theorie ist gut. Daten sind besser. Genau deshalb habe ich einen eigenen Benchmark erhoben – den Tourism AI Index für Wanderreisen. Aufbau: zehn deutsche Wanderreise-Veranstalter, fünf typische Kundenfragen, drei KI-Systeme (ChatGPT, Google AI Overviews, Perplexity). Macht 150 ausgewertete Zellen aus 45 Abfragen, erhoben im August 2026 für den deutschen Markt.
Das Ergebnis ist unbequem:
- 6 von 10 Anbietern bleiben unter 30 % Sichtbarkeit – sie tauchen in weniger als einem Drittel der Fälle überhaupt in einer KI-Antwort auf.
- 3 davon werden in keinem einzigen System auch nur ein Mal genannt. Null Präsenz.
- Nur 4 von 10 überschreiten überhaupt die 50-%-Marke.
- Die Top 3 (Hauser Exkursionen, ASI Reisen, Wikinger Reisen) vereinen rund 83 % der gesamten KI-Sichtbarkeit auf sich.
Das ist die Konsequenz der 34,5-%-Zahl in einer einzigen Branche sichtbar gemacht: Wenn Klicks aus der klassischen Suche wegbrechen, verteilt die KI die Aufmerksamkeit neu – und sie verteilt sie extrem ungleich. Ein paar Namen bekommen fast alles, der Rest bekommt nichts. Wer heute noch glaubt, „wir ranken doch ganz ordentlich", kann in der KI-Antwort trotzdem komplett fehlen. Ranking und Nennung sind zwei verschiedene Spielfelder geworden.
Zur vollständigen Studie – mit Ranking-Tabelle, System-Vergleich und Methodik →
Was heißt das konkret für dich?
Die gute Nachricht: KI-Sichtbarkeit ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Signalen, an denen man gezielt arbeiten kann. Drei Hebel, die im Tourism AI Index den Unterschied zwischen „genannt" und „unsichtbar" gemacht haben:
1. Eindeutige Entität statt diffuse Marke
KI-Systeme vertrauen Marken, die überall konsistent benannt und maschinenlesbar beschrieben sind – über strukturierte Daten (Schema), einen klaren Marken- und Personenkern und übereinstimmende Angaben auf allen Profilen. Wer für die Maschine eindeutig ist, wird eher zur Antwort.
2. Antwort-Struktur statt Keyword-Stapel
Inhalte, die eine konkrete Frage sauber und knapp beantworten, werden von generativen Systemen leichter übernommen als lange, um Keywords herumgebaute Texte. Frage rein, klare Antwort raus – genau die Struktur, aus der KI zitiert.
3. Glaubwürdige Drittquellen statt reiner Eigen-PR
Qualität und Häufigkeit, mit der andere über dich sprechen, schlägt bloßes Content-Volumen. Erwähnungen in vertrauenswürdigen Quellen sind für die KI ein Trust-Signal – und oft der Grund, warum ein Anbieter genannt wird und ein anderer nicht.
Der erste Schritt ist immer derselbe: wissen, wo du stehst. Denn die meisten Marken haben nie überprüft, ob ChatGPT, Google und Perplexity sie bei den entscheidenden Fragen überhaupt nennen – und sind überrascht, wenn die Antwort „nein" lautet.
Häufige Fragen
Was ist Generative Engine Optimization (GEO)?
GEO bezeichnet die Optimierung darauf, in den Antworten generativer KI-Systeme wie ChatGPT, Google AI Overviews und Perplexity genannt und zitiert zu werden. Anders als klassisches SEO, das auf Ranking-Positionen zielt, geht es bei GEO um die Präsenz in der KI-Antwort selbst.
Ersetzt GEO das klassische SEO?
Nein. GEO baut auf soliden SEO-Grundlagen auf. Technisch saubere, gut strukturierte Seiten sind die Voraussetzung dafür, dass KI-Systeme Inhalte überhaupt verlässlich verstehen und ausspielen. GEO erweitert SEO um die KI-Perspektive, es ersetzt es nicht.
Woher stammt die Zahl von 34,5 %?
Aus einer Ahrefs-Studie über 300.000 Keywords: Bei Suchanfragen mit AI Overview lag die Klickrate für Position 1 um rund 34,5 % niedriger als bei vergleichbaren Anfragen ohne KI-Antwort.
Wie finde ich heraus, ob meine Marke in KI-Antworten vorkommt?
Indem man die entscheidenden Kundenfragen systematisch in ChatGPT, Google und Perplexity testet und auswertet, wie oft und in welchem Kontext die eigene Marke genannt wird – genau das Vorgehen hinter dem Tourism AI Index.
Quellen
Ahrefs: AI Overviews Reduce Clicks by 34.5% · Search Engine Land: New data: Google AI Overviews are hurting click-through rates · KlarAntwort: Tourism AI Index (Wanderreisen), eigene Erhebung, August 2026.
Kommt deine Marke in KI-Antworten vor?
Die 34,5 % sind kein Grund zur Panik – aber ein klares Signal, die eigene KI-Sichtbarkeit nicht dem Zufall zu überlassen. Wenn du wissen willst, ob deine Reise- oder Outdoormarke in den KI-Antworten vorkommt – und was zu tun ist, damit sie es tut – lass uns reden.