Ich habe mir einen Assistenten gebaut, der auf meinem Desktop wohnt.

Auf meinem Bildschirm sitzt eine graue Pixelkatze. Sie liest mein Notion, meinen Kalender und mein Postfach. Über ihrem Kopf erscheint ein Abzeichen, wenn ein Termin näher rückt. Abends fragt sie mich, was sich bewegt hat. Gebaut habe ich sie im Gespräch, ohne eine Zeile selbst zu programmieren. Dieser Text erzählt, wie das ging und was ich dabei über KI-Werkzeuge gelernt habe.

Stand: September 2026. Ein Werkstattbericht.

Graue Pixelkatze auf dem Desktop mit einem goldenen Abzeichen 12 min über dem Kopf
Die Katze sitzt in der Ecke des Desktops. Das goldene Abzeichen heißt: ein Termin steht kurz bevor.

Das Problem, bevor die Katze kam

Beim Aufbau der Selbstständigkeit gibt es Tage, an denen es sich anfühlt, als sei nichts passiert. Meistens stimmt das nicht. Es fehlt nur die Aufzeichnung. Am Abend weiß ich, dass ich beschäftigt war, aber nicht mehr, womit.

Dazu kam ein zweites Problem. Meine Aufgaben lagen an drei Orten. To-dos in Notion, Termine im Kalender, offene Punkte in drei Postfächern. Keiner dieser Orte kannte den ganzen Tag. Also verbrachte ich den ersten Teil jedes Morgens damit, aus mehreren Fenstern ein Bild zusammenzusetzen, das um zehn Uhr schon wieder veraltet war. Zweimal habe ich in einem Monat einen Termin übersehen, weil er im Kalender stand und die Vorbereitung dazu in Notion. Ich brauchte einen Ort, der beides gleichzeitig sieht.

Was ist ein Desktop-Pet?

Ein Desktop-Pet ist eine kleine Figur, die frei auf dem Bildschirm sitzt, statt in einem Fenster zu stecken. Sie läuft herum, schläft, blinzelt. Früher war so etwas reine Spielerei. Ich habe die Idee benutzt, um ein anderes Problem zu lösen.

Ein Dashboard klickt man weg. Es ist ein weiteres Fenster, das Platz will und Aufmerksamkeit fordert. Eine Figur, die in der Ecke sitzt, ist anwesend, ohne etwas zu fordern. Sie schickt keine Benachrichtigung, die mich mitten im Satz unterbricht. Sie sitzt da. Wenn ich hinschaue, sehe ich, wie es um den Tag steht. Wenn ich nicht hinschaue, stört sie nicht. Diese Anwesenheit ohne Druck war der Grund für die Katze und nicht für ein weiteres Tab im Browser.

Was die Katze tatsächlich tut

Sie läuft transparent über den Desktop, rollt sich zusammen, blinzelt. Über ihrem Kopf erscheint ein Abzeichen. Gold heißt: ein Termin in unter 20 Minuten. Rot heißt: etwas Dringendes wartet. Lavendel heißt: ein Fokusblock läuft gerade.

Drei Karten der Pixelkatze mit goldenem, rotem und lavendelfarbenem Abzeichen für Termin, Dringendes und Fokusblock
Drei Abzeichen, drei Zustände. Gold für den nahen Termin, rot für Dringendes, lavendel für den laufenden Fokusblock.

Ein Klick auf die Katze öffnet ein Panel. Darin steht der nächste Termin, die heutigen Notion-To-dos, Aufgaben aus Mail und Kalender, die wartenden Antwortentwürfe und eine Budget-Zeile. Starte ich einen Fokusblock über 50 Minuten, rollt sie sich zusammen und schläft mit. Ab 18 Uhr stellt sie mir zwei Fragen. Was hat sich heute bewegt, und was nehme ich mit in den nächsten Tag. Am Morgen liegt ein Briefing auf dem Handy, unter 150 Wörtern: Termine mit Konflikten, die drei wichtigsten Dinge, die wartenden Entwürfe. Sonntags kommt ein Wochenrückblick.

An einem Dienstag im August sah ich aus dem Augenwinkel das goldene Abzeichen. Ein Klick, und da stand der Kickoff mit einer Wandermarke in zwölf Minuten, darunter ein Entwurf, der auf meine Freigabe wartete. Ich hätte den Termin fast verschwitzt. Die Katze hat nicht gepiept. Sie saß nur da und trug das Abzeichen.

Das ist der Unterschied zu jeder To-do-App, die ich vorher hatte. Das Panel sagt mir nicht, was ich schaffen sollte. Es sagt mir, was ich geschafft habe.

Kann man ohne Programmierkenntnisse eigene Software bauen?

Ja. Man beschreibt in normaler Sprache, was das Werkzeug tun soll, sieht sich das Ergebnis an und korrigiert. Der Code entsteht im Dialog mit einem KI-Modell. Ich habe die Katze in Sätzen gebaut, nicht in Zeilen Code.

„Mach die Katze grau mit dunkelgrauen Streifen" war eine echte Anweisung. Dreimal saß die Farbe daneben, bis sie stimmte. Dann waren die Ohren zu groß, dann lief sie zu schnell. Ich habe beschrieben, angesehen, korrigiert. So ist Stück für Stück eine Figur entstanden, die sich anfühlt wie meine.

Sechs Zustaende der Pixelkatze: sitzt, blinzelt, freut sich, schlaeft, Termin, laeuft
Sechs Zustände aus dem Bau. Jeder davon ist im Gespräch entstanden, keiner von Hand programmiert.

Ein Satz beschreibt es am besten. Nichts an diesem Werkzeug wurde von mir programmiert. Alles daran wurde von mir entschieden.

Ein Moment hat mir dabei mehr beigebracht als jede gelungene Funktion. Einmal zeigte das Panel eine Zahl an, als wäre sie echtes Geld auf dem Konto. In Wahrheit war es ein Planwert. Gefunden habe ich das, weil ich hingeschaut habe. Kein Automat hat Alarm geschlagen. Ein Mensch muss die Zahlen ansehen, die ihm eine Maschine hinlegt. Sonst glaubt man einer Anzeige, die niemand geprüft hat.

Wie verbindet man Notion mit einem eigenen Werkzeug?

Über die Notion-Programmierschnittstelle, kurz API. Man legt einen Zugang an, gibt dem Werkzeug ein Token und erlaubt ihm, eine bestimmte Datenbank zu lesen. Von da an kann es To-dos abrufen und Häkchen zurückschreiben.

Unter der Katze steckt wenig Magie. Eine einzige Python-Datei läuft auf dem Desktop. Die Oberfläche ist mit tkinter gebaut, dem Fenster-Werkzeug, das bei Python schon dabei ist. Alle Daten liegen als lesbare JSON-Dateien in einem Ordner. Keine Datenbank, keine Cloud. Ich kann jede Datei im Editor öffnen und verstehen.

heute.json lesbare Textdatei · kein Server { "datum": "2026-09-08", "naechster_termin": "10:30 Kickoff Wandermarke", "notion_todos": [ { "text": "Angebot rausschicken", "erledigt": false }, { "text": "Studie gegenlesen", "erledigt": true } ], "entwuerfe_wartend": 2, "fokusblock_minuten": 50, "budget_zeile": "***" }
Ein Ausschnitt aus einer der Tagesdateien. Beträge sind hier durch Beispielwerte ersetzt.

Dreimal täglich sehen geplante Aufgaben Notion, den Kalender und das Postfach durch und schreiben das Ergebnis in diese Dateien. Der Notion-Abgleich läuft in beide Richtungen. Hake ich eine Aufgabe bei der Katze ab, ist sie auch in Notion abgehakt. Setze ich das Häkchen in Notion, verschwindet die Aufgabe bei der Katze. Kein App-Store, kein Konto, kein Abo. Voraussetzung ist eine Python-Installation, sonst nichts.

Eine Grenze habe ich von Anfang an eingezogen. Nichts wird automatisch verschickt. Der Automat schreibt den Entwurf. Auf Senden drückt ein Mensch. Diese Grenze habe ich bewusst gezogen, und sie ist mir wichtiger als jede Zeitersparnis.

Wo hakt es?

An drei Stellen, und ich nenne sie, weil ein Bericht, der nur schwärmt, nichts wert ist. Der Rechner muss laufen. Es entstehen überflüssige Entwürfe. Und das Zurückschreiben nach Notion ist der heikelste Teil.

Läuft der Rechner nicht, veraltet das Panel stillschweigend. Die Katze zeigt dann den Stand von gestern Abend, ohne dazuzusagen, dass er alt ist. Ich habe mir angewöhnt, dem Zeitstempel im Panel zu trauen und nicht der Figur.

Der zweite Punkt hat mich am Anfang genervt. Ein Automat sieht nicht, dass gerade eine Antwort unterwegs ist. Also schlägt er manchmal einen Entwurf für eine Mail vor, die ich längst beantwortet habe. Dafür gibt es einen Knopf zum Wegräumen. Ein Klick, und der Entwurf ist weg.

Am heikelsten ist das Zurückschreiben nach Notion. Ein Automat, der in einer über Monate gebauten Seite Kästchen setzt, kann Schaden anrichten. Ein falsch gesetztes Zeichen an der falschen Stelle, und die Struktur wackelt. Die Regel lautet deshalb: genau ein Zeichen ändern, sonst nichts anfassen. Diese eine Regel hat bisher jeden Unfall verhindert.

Was ich daraus über KI-Werkzeuge gelernt habe

Standardsoftware muss für alle funktionieren und passt deshalb selten für einen ganz. Meine Katze muss nur zu einem Menschen passen. Zu mir. Sie darf eine einzige Zahl zeigen, die genau meine Sorge adressiert, und eine Frage am Abend stellen, die genau meine Vergesslichkeit auffängt.

Genau an diesem Punkt werden KI-Werkzeuge interessant. Ein Werkzeug im Gespräch zu bauen kostet heute einen Bruchteil dessen, was es vor zwei Jahren gekostet hätte. Zuschneiden ist der Teil, den KI gerade billig macht. Das ist der eigentliche Hebel, und die meisten schöpfen ihn noch nicht aus. Sie benutzen KI zum Texten und übersehen, dass sich damit Software auf eine einzige Person zuschneiden lässt.

Häufige Fragen

Was ist ein Desktop-Pet?

Ein Desktop-Pet ist eine kleine Figur, die frei auf dem Bildschirm sitzt, statt in einem Fenster zu stecken. Sie läuft herum, schläft und blinzelt. In diesem Fall zeigt sie außerdem Termine, Aufgaben und wartende Antwortentwürfe an.

Braucht man Programmierkenntnisse, um so ein Werkzeug zu bauen?

Nein. Man beschreibt in normaler Sprache, was das Werkzeug tun soll, sieht sich das Ergebnis an und korrigiert. Der Code entsteht im Dialog mit einem KI-Modell. Die Katze wurde so gebaut, ohne eine Zeile selbst zu schreiben.

Wo werden die Daten gespeichert?

Alle Daten liegen als lesbare JSON-Dateien in einem Ordner auf dem eigenen Rechner. Keine Datenbank, keine Cloud. Jede Datei lässt sich im Editor öffnen und verstehen.

Verschickt das Werkzeug automatisch E-Mails?

Nein. Antwortentwürfe landen in einem Entwurfsordner. Auf Senden drückt immer ein Mensch. Diese Grenze ist bewusst gezogen, damit keine Nachricht ungeprüft rausgeht.

Wie verbindet man Notion mit einem eigenen Werkzeug?

Über die Notion-Programmierschnittstelle (API). Man legt einen Zugang an, gibt dem Werkzeug ein Token und erlaubt ihm, eine bestimmte Datenbank zu lesen. Von da an kann es To-dos abrufen und Häkchen zurückschreiben.

Selbst etwas Zugeschnittenes bauen?

Wer sich so ein Werkzeug auf den eigenen Arbeitsalltag zuschneiden lassen möchte, kann sich melden. Ein kurzes Gespräch reicht, um zu sehen, ob es passt.

Kostenloses Erstgespräch vereinbaren →

Alle Leistungen & Preise ansehen