Ich habe 19 Reiseveranstalter durch die KI-Suche geschickt. Das habe ich in drei Wochen gesehen.
Kurz gesagt: Von 19 deutschsprachigen Reiseveranstaltern wurden in meinen Tests 10 gar nicht genannt, 5 nur in manchen Kategorien und 3 zuverlässig. Der wichtigste Befund ist aber ein anderer: Drei Marken, die Mitte Juli noch in den Antworten standen, waren zwei Wochen später verschwunden – ohne dass sich an ihren Websites etwas geändert hätte.
Was ich gemacht habe
Zwischen dem 17. Juli und dem 5. August 2026 habe ich 17 Mal dieselbe Sorte Frage gestellt, die auch deine Kund:innen stellen: „Welcher Veranstalter für …?“ Insgesamt kamen dabei 19 deutschsprachige Reiseveranstalter vor – vom Marktführer bis zum Ein-Personen-Spezialisten.
Vier dieser Marken habe ich nach zwei Wochen mit exakt derselben Frage noch einmal getestet. Genau daraus ist der interessanteste Befund entstanden.
Hier sind die fünf Muster, die ich gesehen habe.
Sichtbarkeit in KI-Antworten ist nicht stabil
Am 17. Juli habe ich vier etablierte deutschsprachige Veranstalter getestet. Drei davon wurden in den Antworten genannt – einer sogar prominent, mit den richtigen Attributen: Gründungsjahr, Gruppengröße, Nachhaltigkeitsprofil. Die KI hatte die Marke also nicht nur gefunden, sondern korrekt verstanden.
Am 1. August habe ich exakt dieselben vier Fragen noch einmal gestellt. Gleiche Formulierung, gleiches System, gleicher Account.
Ergebnis: Keiner der drei stand noch in der Antwort.
An den Websites hatte sich in diesen zwei Wochen nichts geändert. An den Unternehmen auch nicht. Verändert hat sich nur, welche Quellen das KI-System herangezogen hat.
Wer daraus schließt, KI-Sichtbarkeit sei Glückssache, liegt falsch. Aber wer glaubt, sie sei ein Zustand, den man einmal erreicht und dann besitzt, liegt genauso falsch. Sie ist ein Ergebnis, das bei jeder Anfrage neu entsteht.
Es gibt keine „sichtbare Marke“ – es gibt sichtbare Kategorien
Ein Veranstalter, der die Kategorie Wanderreisen im deutschsprachigen Raum seit Jahrzehnten prägt, kam in meinen Tests dreimal vor. Dieselbe Marke, dieselbe Website, drei Fragen aus demselben Themenfeld:
Frage A
„Geführte Wanderreisen in Europa?“
Nicht genannt.
Frage B
„Individuelle Wanderreise ohne Gruppe mit Gepäcktransport?“
Platz 1.
Frage C
„Wanderreisen mit Achtsamkeitsanteil?“
Genannt – aber ausdrücklich abgewertet.
Die Frage „Sind wir in KI-Antworten sichtbar?“ hat deshalb keine sinnvolle Antwort. Die brauchbare Frage lautet: Bei welchen Fragen sind wir sichtbar – und sind das die Fragen, die zu Buchungen führen?
Genannt zu werden heißt nicht, zitiert zu werden
Das war der Befund, den ich am wenigsten erwartet hatte.
Bei den Aktivreise-Veranstaltern, die tatsächlich in den Antworten vorkamen, habe ich nachgesehen, welche Quelle das System jeweils angegeben hat. Bei keinem einzigen war es die eigene Website. Stattdessen:
- ein Vergleichsportal, das die Reisen des Veranstalters weitervermittelt
- ein privater Reiseblog
- in einem Fall: die Website eines direkten Wettbewerbers
Die KI hat also über diese Marken gesprochen – gelesen hat sie jemand anderen. Das ist ein Unterschied mit Folgen: Wer nicht die zitierte Quelle ist, hat keine Kontrolle darüber, wie das Angebot beschrieben wird, ob Preise stimmen, ob die Zielgruppe richtig benannt wird. Und bekommt keinen Link.
Bei einem weiteren Veranstalter formulierte das System es sogar ausdrücklich: Das Angebot sei „hier nicht im Detail sichtbar“. Deutlicher kann ein Lesbarkeitsproblem kaum benannt werden.
Spezialisten verlieren gegen Portale – und gegen Anbieter vor Ort
„Pauschalreisen für Alleinreisende ohne Einzelzimmerzuschlag?“
Genannt wurden zwei große Konzerne und ein Deal-Portal. Kein einziger der spezialisierten Anbieter für Alleinreisende – und davon gibt es im deutschsprachigen Markt mehrere, die seit Jahren nichts anderes machen.
„Geführte Trekkingreisen in Nepal?“
Genannt wurden ausschließlich nepalesische Lokalagenturen. Kein einziger deutschsprachiger Veranstalter, obwohl mehrere davon seit Jahrzehnten Nepal-Trekking anbieten.
Für jemanden, der auf Deutsch sucht, deutschsprachige Betreuung und deutsches Reiserecht will, ist die zweite Antwort schlicht unbrauchbar. Die Anfrage ist trotzdem weg.
Das Muster dahinter: KI-Systeme bevorzugen Quellen, die viele Anbieter strukturiert vergleichen – also Portale – oder die sehr eng zum Suchbegriff passen – also lokale Spezialisten am Zielort. Der mittelgroße deutschsprachige Veranstalter fällt genau dazwischen.
Eindeutigkeit schlägt Bekanntheit
In meinen Tests gab es kleine Anbieter, die zuverlässig genannt wurden, und große, die durchgehend fehlten. Die Trennlinie verlief nicht zwischen groß und klein.
Was die Genannten gemeinsam hatten, war nicht Bekanntheit, sondern Eindeutigkeit: Ihre Website beantwortet eine klar umrissene Frage vollständig, in eigenen Worten, an einer Stelle. Wer „Wanderreisen für Frauen“ anbietet und genau das auf einer Seite sauber erklärt, wird gefunden. Wer „Reisen für jeden Anlass“ anbietet, ist zu keiner konkreten Frage die beste Quelle.
Das ist eine gute Nachricht für kleine Marken. Und eine unbequeme für große.
Was ich daraus für die Praxis mitnehme
Einmal messen reicht nicht. Ein Sichtbarkeits-Check ist eine Momentaufnahme. Wer wissen will, ob er stabil sichtbar ist, muss dieselben Fragen über Wochen wiederholen – sonst weiß er nicht, ob ein gutes Ergebnis Substanz hat oder Zufall war.
Die richtigen Fragen zu finden ist die halbe Arbeit. Nicht „Sind wir sichtbar?“, sondern: Welche 15 bis 20 Fragen stellen unsere Kund:innen wirklich, bevor sie buchen? Erst diese Liste macht das Messen aussagekräftig.
Zitierfähig werden schlägt bekannt sein. Wenn ein Vergleichsportal deine Reisen besser beschreibt als du selbst, dann liegt das selten am Portal.
Wie ich getestet habe
Damit du das nachvollziehen – und selbst wiederholen – kannst:
- Zeitraum: 17. Juli bis 5. August 2026
- System: Perplexity, eingeloggt, Free-Plan
- Umfang: 17 Abfragen, 13 verschiedene Fragen, 4 davon nach zwei Wochen wiederholt
- Erfasste Marken: 19 deutschsprachige Reiseveranstalter, die in den Antworten hätten vorkommen können
- Dokumentation: Screenshot und Permalink je Abfrage, mit Datum
- Bewertung: genannt / teils genannt / nicht genannt, plus die jeweils zitierte Quelle
Was diese Zahlen nicht sind: eine repräsentative Studie. 17 Abfragen in einem System sind eine Stichprobe, kein Beweis. Ein anderes System – ChatGPT, Gemini oder die Google-KI-Übersichten – hätte teils andere Antworten geliefert. Das gehört zum Bild dazu. Was die Stichprobe zeigt, ist ein Muster, keine Quote.
Die Firmennamen nenne ich nicht. Ein Testergebnis gehört zuerst dem Unternehmen und nicht dem Internet.
Häufige Fragen
Für eine Bestandsaufnahme reicht eine Messung. Um zu erkennen, ob Sichtbarkeit stabil ist, braucht es dieselben Fragen im Abstand von mehreren Wochen. In meinen Tests haben sich Antworten innerhalb von zwei Wochen deutlich verändert, ohne dass sich an den Websites etwas geändert hatte.
Weil das System bei jeder Anfrage neu entscheidet, welche Quellen es heranzieht. Ändern sich die verfügbaren Quellen – etwa weil ein Portal einen neuen Vergleichsartikel veröffentlicht hat – kann eine Marke aus der Antwort fallen, ohne selbst etwas verändert zu haben.
Nein. Entscheidend ist zusätzlich, ob deine eigene Website als Quelle zitiert wird. Wird stattdessen ein Vergleichsportal zitiert, beschreibt jemand anderes dein Angebot – und der Link führt woanders hin.
Nein, eher im Gegenteil. In meinen Tests wurden mehrere kleine Anbieter zuverlässig genannt, während größere fehlten. Ausschlaggebend war nicht Bekanntheit, sondern wie eindeutig eine Website eine konkrete Frage beantwortet.
Ja. Schreib 10 bis 15 Fragen auf, die deine Kund:innen vor einer Buchung stellen, gib sie in ChatGPT oder Perplexity ein und notiere pro Frage: Wirst du genannt? Wer sonst? Welche Quelle wird zitiert? Das dauert etwa 30 Minuten und ist der ehrlichste Sichtbarkeits-Check, den es gibt.
Willst du wissen, wo deine Marke in KI-Antworten steht?
Im AI-Visibility-Report teste ich genau das mit den echten Fragen deiner Kund:innen – und zeige dir, welche Quelle die KI stattdessen zitiert.
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